Es gibt Szenen, die setzen sich fest. Man weiß gar nicht warum. Sie laufen irgendwo im Hintergrund weiter, triggern etwas, rühren an etwas Altem. Bei mir war es so eine Unternehmer-Szene aus einem Video, das mich lange nicht losgelassen hat.
Samstagnachmittag. Ein Unternehmer-Ehepaar sitzt auf der Couch. Sie blättert genervt in einer Zeitung. Er klappt wieder einmal den Laptop auf, arbeitet vor sich hin, grummelt. Stress, ein wichtiges Projekt. Der Sohn stürmt herein – voller Energie, voller Freude. Draußen ist schönes Wetter.
„Papa, Papa, Papa, lass uns Fußball spielen gehen!“
Der Vater sagt: „Nee, ich muss noch arbeiten.“
Die Mutter wird noch genervter.
Der Junge senkt den Kopf und geht raus.
Diese Szene wiederholt sich. Immer wieder. Der Junge wird leiser, kleiner. Die Ablehnung wird zur Gewohnheit. Und alle drei entfernen sich ein Stück weiter voneinander – jeder gefangen in seinem eigenen Stress, seiner eigenen Ohnmacht.
Abends bringt die Mutter den Sohn ins Bett. Der Vater läuft über den Flur, schaut kurz zur Tür hinein, will nicht stören. Und dann hört er die Frage, die alles zusammenzieht:
„Mama … hat der Papa mich eigentlich noch lieb?“
Diese Frage hat mich tief getroffen. Lange wusste ich nicht, warum. Warum mich das so emotional aufwühlt, so nachhaltig berührt. Bis ich verstanden habe: Das war ich.
Meine Eltern hatten auch nie Zeit. Wenn ich heute zurückblicke, ist fast alles vor meinem 15. Lebensjahr wie ausgelöscht. Verdrängt. Weg. Nicht, weil nichts passiert wäre – sondern weil es zu viel war. Meine Eltern hatten ein Geschäft übernommen, arbeiteten rund um die Uhr. Meine Mutter zog drei Kinder groß, führte den Haushalt, versorgte uns – und pflegte zusätzlich noch die Schwiegereltern. Mein Vater war den ganzen Tag mit Kunden unterwegs. Was sie leisteten, war eigentlich unmenschlich. Und trotzdem bedeutete es für mich als Kind: Niemand hat Zeit.
Mit wie vielen Ideen ich kam – und wie oft die Antwort dieselbe war:
„Nee, keine Zeit.“
„Wir müssen das noch erledigen.“
„Jetzt nicht.“
Später wurde es finanziell etwas besser. Es gab dann Geld – aber immer noch keine Zeit. Und dann sollte ich mir ein Hobby suchen. Ich war vielleicht zwölf Jahre alt und dachte: Wenn sie sowieso keine Zeit haben, dann müssen sie es eben bezahlen.
Fechten oder Reiten?
Zum Glück habe ich mich fürs Reiten entschieden. Das begleitet mich bis heute. Ich habe eigene Pferde. Aber was mich im Rückblick erschüttert, ist diese Logik eines Zwölfjährigen: sich selbst so weit zurückzunehmen, dass Nähe durch Geld ersetzt wird. Dass Liebe kompensiert wird. Dass man lernt, nichts mehr zu erwarten – außer Funktionieren.
Das sind Muster, die sich durchziehen. Still. Hartnäckig. Und sie wirken weiter, oft ein Leben lang. Nicht aus bösem Willen, sondern aus Überforderung, aus Stress, aus dem Glauben, man müsse erst alles andere erledigen, bevor man Zeit haben darf.
Und genau deshalb ist diese Geschichte so wichtig. Sie stellt eine Frage, die weh tut – aber notwendig ist:
Wie viel Zeit haben wir wirklich für uns selbst?
Wie viel Zeit haben wir für die Menschen, die wir lieben?
Für unsere Kinder, unsere Enkel, unsere Partnerschaften?
Nicht irgendwann. Nicht „wenn es ruhiger wird“. Sondern jetzt.
Denn Kinder fragen nicht nach Projekten, nach Umsätzen oder Verantwortung. Sie fragen nur eines:
Bin ich wichtig?
Werde ich gesehen?
Hat der Papa mich eigentlich noch lieb?
Und manchmal entscheidet sich die Antwort genau in diesen scheinbar kleinen Momenten.
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Ulrich Zimmermann ist MultiUnternehmer, Wegbegleiter und Gründer der 100Plus-Community.
Aus seiner eigenen UnternehmerGeschichte heraus entwickelte er die Ein-Tage-Woche für Unternehmer – als Gegenentwurf zu Dauerstress und Selbstverlust.
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